Hernienchirurgie

Operationen


Operationen

Für die Operation einer Hernie gibt es unterschiedliche Operationstechniken. Wenngleich die Implantation eines Kunststoffnetzes (Mesh) als Goldstandard gilt, so konkurrieren bei der Versorgung der Leistenhernie weiterhin die herkömmlichen Nahtverfahren mit dem Mesh-Verfahren. Alle diese Verfahren sind für den Patienten wenig belastend. Sie unterscheiden sich in der Narkoseform, den möglichen intraoperativen Komplikationen, eventuell beim Ausmaß der postoperativen Beschwerden, und im Hinblick auf mögliche Langzeitfolgen.
Im ZADC wird daher ein auf das individuelle Risiko des einzelnen Patienten abgestimmtes Verfahren angewendet. Neben der Bindegewebsbeschaffenheit werden die Größe und Art des Bruches sowie weitere bekannte Einflussfaktoren für das Entstehen eines Wiederholungsbruches in die Entscheidungsfindung mit einbezogen.

Operationstechniken bei der Leistenhernie

Shouldice:
Hier wird das Prinzip des Bruchlückenverschlusses mit körpereigenem Gewebe verfolgt. Mit zwei fortlaufenden Nähten wird in insgesamt vier Nahtreihen die Hinterwand des Leistenkanals rekonstruiert.

Lichtenstein:
Die offene Hernienreparation nach Lichtenstein ist ein sehr häufig angewandtes Verfahren. Die Bruchlücke wird mit einem Kunststoffnetz bedeckt und dadurch verschlossen. Der Eingriff kann mit einem Verschluss der Bruchlücke durch Naht kombiniert werden.

Zimmerman/Marcy:
Liegt eine kleine laterale Bruchlücke vor, muss die Hinterwand des Leistenkanals nicht vollständig rekonstruiert werden. Häufig reicht eine Naht mit körpereigenem Gewebe im Bereich des defekten Bereiches. Dies ist besonders häufig bei jungen Männern der Fall.

TIPP (transinguinale präperitoneale Plastik):
Bei diesem Verfahren wird von außen über einen Leistenschnitt der Raum zwischen Bauchfell und Muskulatur präpariert und dort ein Kunststoffnetz zum Verschluss der Bruchlücke platziert.

TAPP (transabdominale präperitoneale Plastik):
Bei der laparoskopischen Hernienoperation wird im Rahmen einer Bauchhöhlenspiegelung die Bruchlücke unter dem Bauchfell aufgesucht und mit einem Kunststoff-Netz verschlossen. Grundsätzlich ist auch eine beidseitige Operation in einer Sitzung möglich. Diese Operation ist nur in Vollnarkose möglich.

Kindliche Leistenhernie:
Da bei der kindlichen Leistenhernie kein Defekt der Bauchdecke vorliegt, ist der alleinige Verschluss der Bauchfellausstülpung ausreichend. Daher ist dieser Eingriff auch schnell und unproblematisch durchzuführen und wird ambulant durchgeführt.

Schenkelbruch

Der Defekt kann über einen Zugang oberhalb oder unterhalb des Leistenbandes verschlossen werden. Die Indikation zur Verstärkung der Bauchdecke mit künstlichem Material ist aufgrund der relativ hohen Rezidivrate großzügig zu stellen. Alternativ dann die Bruchlücke auch laparoskopisch, das heißt über eine Bauchhöhlenspiegelung verschlossen werden.

Nabelbruch, epigastrischer Bruch

Es handelt sich um einen relativ kleinen Eingriff, der gut in örtlicher Betäubung durchführbar ist. Die Bruchlücke wird bei einem Durchmesser unter drei Zentimeter durch Nähte verschlossen. Liegt ein größerer Defekt vor, sollte die Bauchdecke mit einem Kunststoff-Netz verstärkt werden, um das Risiko eines Rezidivs zu senken.

Narbenbruch

Da der Entstehung eines Narbenbruches definitionsgemäß eine Operation mit in der Regel Nahtverschluss der Bauchwunde vorangegangen ist, muss bei diesen Patienten von einer gestörten Narbenbildung ausgegangen werden. Offensichtlich ist die Versorgung des Defektes mit alleiniger Naht von körpereigenem Gewebe nicht ausreichend, was in vielen Studien mit hohen Wiederholungsraten von bis zu 50% bestätigt wurde. Vielmehr kann eine langfristige Stabilität nur erreicht werden, wenn die Bauchdecke mit einem Kunststoffnetz verstärkt wird. Um einen hohen Schutz vor einem Rückfall-Bruch zu erreichen, muss dabei das Netz die gesamte Narbe in alle Richtungen um mindestens 5 cm überlappen. Die Implantation des Kunststoffnetzes in der sogenannten retromuskulären "sublay" Position hat sich dabei als Standardverfahren etabliert. Diese Operationen sind jedoch nur in Vollnarkose möglich und bedingen eine großflächige Präparation in der Bauchwand.

Narkoseverfahren

  • Lokalanästhesie (örtliche Betäubung)
  • Allgemeinanästhesie
  • Spinal- oder Periduralanästhesie (rückenmarksnahe oder regionale Betäubung)